Polizeitricks bei der Verkehrskontrolle: So schützen Sie sich
Bei einer Verkehrskontrolle geht es nicht nur um die Verkehrssicherheit. Die Polizei möchte Verkehrsverstöße nachweisen und Ermittlungsergebnisse erzielen. Dazu werden teilweise psychologische Methoden eingesetzt, um Sie zu Fehlern zu verleiten oder zum Reden zu bringen.
Und das Reden ist meistens das, was Sie hinterher am härtesten trifft.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen als Strafverteidiger die wichtigsten Tricks, die bei Verkehrskontrollen angewendet werden – und wie Sie sich davor schützen.
Warum Sie bei der Kontrolle besonders vorsichtig sein müssen
Die Polizei hält Sie an, weil sie einen Anfangsverdacht hat oder einen begründen möchte. Dann werden Informationen gesammelt.
Das Problem: Eine einzige Aussage kann ausreichen, damit die Polizei:
- Einen strafrechtlichen Anfangsverdacht konstruiert
- Den Führerschein sofort sicherstellt
- Ein Verfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht oder Nötigung einleitet
Die Grundregel: Redest du, kannst du nur verlieren.
Trick Nr. 1: Einschüchterung durch Tempo
Der Beamte sagt: "Wir machen das jetzt mal ganz schnell."
Was dahinter steckt:
- Tempo erzeugt Stress
- Stress erzeugt Fehler
- Fehler führen zu Bußgeld, Fahrverbot oder Strafverfahren
Ihre richtige Reaktion:
Sie müssen nicht schnell reagieren. Sie müssen eigentlich überhaupt nicht reden. Nehmen Sie sich Zeit, atmen Sie durch.
Trick Nr. 2: Der "freiwillige Zwang"
Der typische Satz: "Das ist freiwillig, aber wenn Sie nichts zu verbergen haben..."
Was dahinter steckt:
Das ist reine Psychologie. Sie sollen sich schlecht fühlen, wenn Sie Ihr Recht wahrnehmen.
Ihre richtige Reaktion:
Wenn etwas freiwillig ist, machen Sie es nicht. Punkt.
Das gilt für:
- Freiwillige Drogentests
- Atemalkoholtests (Pusten)
- Freiwillige Aussagen
Trick Nr. 3: Die Smalltalk-Profiling-Methode
Wenn es kumpelhaft wird, wird es gefährlich. Typische Fragen:
- "Langen Tag gehabt?"
- "Kommen Sie von einer Feier?"
- "Nur ein Bier?"
Was dahinter steckt:
Smalltalk ist kein harmloser Smalltalk. Es ist ein Ermittlungswerkzeug.
Ihre richtige Reaktion:
Bleiben Sie freundlich, aber machen Sie keine Angaben zu:
- Ihrer Fahrt
- Ihrem Konsum
- Ihrem Tagesverlauf
Trick Nr. 4: Der Blicktest
Viele glauben, die Beamten könnten in Ihren Augen erkennen, ob Sie etwas konsumiert haben.
Die Wahrheit:
Der Blicktest ist kein Beweis. Es ist lediglich ein Vorwand, um weitere Maßnahmen einzuleiten.
Nur weil ein Beamter Ihnen in die Augen geschaut hat, heißt das nicht, dass Sie "geliefert" sind.
Trick Nr. 5: Das Aussteigen aus dem Fahrzeug
Die Polizei fordert Sie auf, aus dem Auto auszusteigen.
Was dahinter steckt:
Die Beamten wollen beobachten:
- Wie Sie sich verhalten
- Ob Sie körperliche Ausfallerscheinungen zeigen
- Ob Sie schwanken
- Wie Ihr Gangbild ist
Das alles kann als Anfangsverdacht verwendet werden.
Ihre Situation:
Das Aussteigen auf Aufforderung sollten Sie befolgen. Aber: Alle weiteren Tests sind freiwillig.
Trick Nr. 6: Die Schweigefalle
Typische Fehler, die Autofahrer machen:
- "Ich hatte nur eins."
- "Ich bin nur müde."
- "Ich komme von Freunden."
Die fatale Konsequenz:
Jede dieser Aussagen kann Ihnen den Führerschein kosten. Jede Aussage kann ausreichen, damit die Polizei einen Anfangsverdacht konstruiert für:
- Fahrtüchtigkeit im Verkehr
- Gefährdung des Straßenverkehrs
- Unfallflucht
- Nötigung
- Illegales Kraftfahrzeugrennen
Die einzig richtige Antwort:
"Ich möchte keine Angaben machen."
Die "freiwilligen" Tests – Sie müssen nichts mitmachen
Die Polizei sagt oft Sätze wie:
- "Können Sie mal auf einem Bein stehen?"
- "Folgen Sie mit den Augen meinem Finger."
- "Berühren Sie mal Ihre Nase."
- "Schätzen Sie mal, wann 30 Sekunden herum sind."
- "Ich leuchte Ihnen mal kurz ins Auge."
Die wichtige Wahrheit:
Das sind typische Tests wie der Fingernasetest. Sie wirken harmlos, sind aber reine Ermittlungswerkzeuge.
Ihre Rechte:
Sie sind zu keinem dieser Tests verpflichtet:
- Kein Balancetest
- Kein Blickfolgetest
- Kein Fingernasetest
- Kein Laufen auf einer Linie
- Keine Taschenlampe ins Auge
Der Besuch an der Haustür nach Kennzeichenanzeige
Ein besonders perfider Trick: Die Polizei erscheint bei Ihnen zu Hause.
Typischer Anlass:
Jemand hat Ihr Kennzeichen gemeldet wegen angeblicher Unfallflucht, Nötigung oder einer anderen Straftat.
Was die Polizei will:
Das eigentliche Ziel ist die Fahrerermittlung – wer hat das Fahrzeug gefahren?
Die dunkle Psychologie:
- Zu Hause sind Menschen viel kooperativer
- Sie rechnen nicht mit der Polizei
- Sie fühlen sich verpflichtet zu helfen
Typische Fangfragen:
- "Sie sind der Halter des Fahrzeugs, richtig? Dann waren Sie auch Fahrer."
- "Wann sind Sie denn losgefahren?"
- "Wo waren Sie gestern gegen 17 Uhr?"
- "Wer nutzt denn sonst das Fahrzeug?"
Ihre richtige Reaktion:
Auf all diese Fragen brauchen Sie nicht zu antworten. Sobald Sie sich als möglicher Fahrer ins Spiel bringen, kann ein Anfangsverdacht entstehen.
Die richtige Antwort: "Ich mache keine Angaben. Ich möchte erst mit meinem Anwalt sprechen."
Der Trick mit den Scheinfristen im Anhörungsbogen
Im polizeilichen Anhörungsbogen steht oft:
- "Bitte antworten Sie innerhalb einer Woche."
- "Wir bitten um Rückmeldung innerhalb von 14 Tagen."
Die Wahrheit:
Das klingt wie eine Frist – ist es aber nicht. Es ist eine Scheinfrist.
Reagieren Sie nicht innerhalb dieser Zeitspanne, passiert rein gar nichts. Vielleicht kommt eine Erinnerung, mehr aber auch nicht.
Der Zweck:
Es soll Druck erzeugt werden. Sie sollen denken, Sie müssten jetzt unbedingt handeln.
Das richtige Vorgehen:
- Niemals eine Stellungnahme abgeben
- Niemals etwas schreiben oder unterschreiben
- Niemals eine Aussage machen, ohne den vollständigen Akteninhalt zu kennen
- Akteneinsicht über einen Anwalt nehmen
Zusammenfassung: Was Sie tun müssen
| Aktion | Pflicht oder freiwillig? |
|---|---|
| Personalien angeben | Pflicht |
| Führerschein/Fahrzeugpapiere aushändigen | Pflicht (wenn dabei) |
| Aussteigen auf Aufforderung | Sollten Sie tun |
| Atemalkoholtest (Pusten) | Freiwillig |
| Drogentest | Freiwillig |
| Motoriktests (Finger-Nase etc.) | Freiwillig |
| Aussagen zur Sache | Freiwillig |
| Blutentnahme | Nur mit richterlicher Anordnung oder bei begründetem Verdacht |
Fazit: Schweigen ist Ihre stärkste Waffe
Ob Verkehrskontrolle, Koordinationstest, Anhörungsbogen oder das Klingeln an Ihrer Haustür:
Redest du, verlierst du. Schweigst du, schützt du dich.
Die Polizei hat eine Strategie. Sie brauchen eine eigene Strategie:
- Freundlich bleiben
- Ruhig bleiben
- Keine Angaben machen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich bei einer Verkehrskontrolle pusten?
Nein. Der Atemalkoholtest ist freiwillig. Sie können ihn verweigern.
Was passiert, wenn ich den Drogentest verweigere?
Ohne begründeten Verdacht kann die Polizei keine Blutentnahme anordnen. Die Verweigerung ist Ihr Recht.
Darf die Polizei mich zur Wache mitnehmen?
Nur bei begründetem Verdacht und für eine Blutentnahme. Kooperieren Sie, aber schweigen Sie.
Was sage ich, wenn die Polizei an meiner Haustür klingelt?
"Ich mache keine Angaben. Ich möchte erst mit meinem Anwalt sprechen."
Sind die Fristen im Anhörungsbogen verbindlich?
Nein. Es sind Scheinfristen. Sie müssen nicht innerhalb dieser Frist antworten.
Wann sollte ich einen Anwalt einschalten?
Sofort, bevor Sie irgendwelche Aussagen machen. Der Anwalt kann zunächst Akteneinsicht nehmen.
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Letzte Aktualisierung: Januar 2026 Autor: Rechtsanwalt Christian Demuth, Fachanwalt für Strafrecht, Düsseldorf
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Inhalt dieses Beitrags
- Warum Sie bei der Kontrolle besonders vorsichtig sein müssen
- Trick Nr. 1: Einschüchterung durch Tempo
- Trick Nr. 2: Der "freiwillige Zwang"
- Trick Nr. 3: Die Smalltalk-Profiling-Methode
- Trick Nr. 4: Der Blicktest
- Trick Nr. 5: Das Aussteigen aus dem Fahrzeug
- Trick Nr. 6: Die Schweigefalle
- Die "freiwilligen" Tests – Sie müssen nichts mitmachen
- Der Besuch an der Haustür nach Kennzeichenanzeige
- Der Trick mit den Scheinfristen im Anhörungsbogen
- Zusammenfassung: Was Sie tun müssen
- Fazit: Schweigen ist Ihre stärkste Waffe
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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